Kirschen – Probleme bei der Blütenbefruchtung I

Jetzt, wo es langsam die Ernte der Kirschen beginnt, steht so mancher Gartenbesitzer vor seinem großen Kirschenbaum – der aber keine einzige Kirsche trägt. Jedes Jahr voll mit Blüten, völlig gesund und frostfreie Nächte und trotzdem „kirschfrei“.

Die Befruchtung der Kirschblüte übernimmt jedes Jahr die Biene. Natürlich kann es in kalten und regnerischen Frühjahren zur Ertragsausfällen kommen, da die Biene bei nass-kalter Witterung nicht fliegt. Wenn aber die Bienen fleißig fliegen und auch sonst keine Probleme auftreten, sollte man sich tiefere Gedanken machen ob man die richtige Sorte gepflanzt hat, oder welche Sorte man noch zusätzlich als Befruchter pflanzen kann.

Die Möglichkeit Früchte auszubilden wird als Fruchtbarkeit = Fertilität bezeichnet. Die Kirschen kennen drei Arten der Fertilität:

  • Selbstverträglichkeit = Selbstfertilität
  • Selbstunverträglichkeit = Selbststerilität
  • Kreuzungsunverträglichkeit = Intersterilität

Selbstverträglichkeit / Selbstfertilität

Selbstfertile Sorten benötigen keine Fremdbefruchtung. So entwickeln sich trotz fehlender anderer Sorten ausreichend Kirschen. Auch bei einem Ausfall der Bienen in einem Jahr, trägt dieser Baum trotzdem reichlich Kirschen. Wenn Sie nur einen einzigen Kirschbaum pflanzen wollen und im Umkreis nicht dutzende andere Kirschsorten sind, ist eine selbstverträgliche Sorte eine sehr gute Möglichkeit trotzdem jedes Jahr Kirschen ernten zu können.

Außerdem kann ein selbstfertiler Kirschbaum als universeller Pollenspender für andere Sorten eingesetzt werden. Suchen Sie also nach einer weiteren Sorte als Befruchter für Ihren Kirschbaum, so achten Sie auf eine selbstverträgliche Sorte.

Hervorragend geeignete selbstfertile Kirschsorte ist die Lapins (früh). Eine sehr reichtragende Kirschsorte aus Kanada, die dortige Hauptsorte im Kirschenanbau. Skeena und Sweetheart sind weitere Sorten die sehr gute Ergebnisse erzielen.

Selbstunverträglichkeit / Selbststerilität

Ein großes Problem der Süßkirschen (und an manchen Sorten der Sauerkirschen) ist die Selbstunverträglichkeit. Selbststerile Sorten sind untereinander nicht in der Lage die Blüten zu befruchten. Diese Sorten sind immer auf einen Fremdbefruchter angewiesen. Da bedeutet: werden drei Bäume, die aller zur selben selbststerilen Sorte gehören, gepflanzt, so können die Pollen der einzelnen Bäume nicht die Blüten der anderen befruchten! Sie benötigen immer eine andere Sorte, die diese Bäume dann befruchten kann (z.B. eine selbstfertile Sorte).

Kreuzungsunverträglichkeit / Intersterilität

Nicht jede Sorte kann eine andere Sorte befruchten. Hier spricht man von Kreuzungsunverträglichkeit der beiden Sorten.

 

Was muss ich als beim Kauf eines Kirschbaums beachten?

Seit langem wissen die forschenden Universitäten und Fachschulen das jede Sorte zwei Sterilitätsfaktoren = S-Allele besitzen. Sorten mit gleichen S-Allelen sind untereinander nicht kompatibel, das bedeutet, das der Pollen mit der gleichen S-Allele nicht bis in die Eizelle im Fruchtknoten durchwachsen kann.

Gute Baumschulen geben daher neben dem Blühzeitpunkt (siehe auch Fachbeitrag Kirschen – Probleme bei der Blütenbefruchtung II) auch die S-Allele mit an. Die S-Allele wird als „S“ gefolgt von einer Zahl angegeben. Sorten mit gleicher S-Allele sind untereinander inkompatibel. Ein Beispiel soll helfen den Sachverhalt besser zu verstehen:

Sorte: Burlat
Blühzeitpunkt: mittelfrüh
S-Allele: S3 S9

hierzu passt

Sorte: Merchant
Blühzeitpunkt: mittelfrüh
S-Allele: S2 S4

Beide Sorten blühen mittelfrüh und besitzen keine gemeinsamen S-Allelen. Daher sind diese Sorten untereinander kompatibel und eignen sich als Befruchtersorte. Sollten Sorten eine von beiden S-Allelen gemeinsam haben, so befruchten nur 50% der Pollen.

15. Juni 2011 von lars.erdmann
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1 Kommentar

  1. Ich habe eine Süßkirsch und eine Sauerkirsche auf meinem Grundstück.
    Die Süßkirsche wird von den Bienen reichlich angeflogen die Sauerkirsche dagegen garnicht.
    Die Sorten kenne ich leider nicht.
    Meine Sauerkirsche ist etwar 15 Jahre und hat noch keine Früchte getragen die Süßkirsche dagegen trägt jedes Jahr reichlich.Beide Bäume haben jedes Jahr
    eine volle Blütenpracht.